Barrierefreie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Gebärdensprache

Gebärdenwelt.tv verfolgt mit der Aktivität „Barrierefreie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Gebärdensprache: Politische Bildung im digitalen Raum für die Gebärdensprachcommunity“ das Ziel, unserer Zielgruppe – gehörlosen und schwerhörigen Menschen – eine regelmäßige, barrierefreie Medienberichterstattung in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) anzubieten. Damit soll ihre politische Bildung gefördert und eine informierte Teilnahme an demokratischen Entscheidungen ermöglicht werden. Die Berichterstattung erfolgt bilingual in ÖGS und Deutsch, manchmal werden Interviews in anderen Lautsprachen und International Sign geführt und untertitelt. Ziel ist es, die politische Bildung und Inklusion zu stärken und digitale Technologien zu nutzen, um die Inhalte global zugänglich zu machen.

Laufzeit:

01.04.2025 bis 31.12.2025

Summe:

€ 35.931,00

 

Das Service-Center ÖGS.Barrrierefrei fördert Barrierefreiheit und Inklusion im Bereich der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS). Ziel ist es, gehörlosen und schwerhörigen Menschen den Zugang zu Informationen und Dienstleistungen zu erleichtern und ihre gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Das Service-Center bietet barrierefreie Informationen und Services in ÖGS sowie Online-Nachrichten in Gebärdensprache an, die den Bedürfnissen der Zielgruppe gerecht werden. Ein zentrales Projekt ist Gebärdenwelt.tv, das die digitale Sichtbarkeit und Präsenz der Gehörlosengemeinschaft stärkt. Über Gebärdenwelt.tv werden gesellschaftliche, sportliche und kulturelle Ereignisse sowie relevante Aktivitäten für die gehörlose Community zugänglich gemacht. Diese Plattform fördert den Zugang zu wichtigen Informationen und Bildungsmöglichkeiten, spielt eine entscheidende Rolle in der nachhaltigen Inklusion und ermöglicht gleichberechtigte Teilhabe.

1. Was haben wir gemacht?

Mit unserem ersten Beitrag am 4. April haben wir eine Kampagne gestartet, um politische Themen und aktuelle Berichterstattung für die Gebärdensprach-Community im digitalen Raum barrierefrei zugänglich zu machen. Ab diesem Zeitpunkt wurde monatlich mindestens ein Beitrag veröffentlicht, der zentrale Aspekte der politischen Landschaft sowie politische Strukturen auf österreichischer und europäischer Ebene in verständlicher Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) vermittelt hat.

Unsere Arbeit war vielschichtig und praxisnah:
Wir haben Demonstrationen und politische Veranstaltungen besucht, Interviews mit politischen Akteur:innen geführt und informative Erklärformate zu unterschiedlichen politischen Themen produziert. Die Inhalte wurden entweder direkt in ÖGS mit Untertitelung oder als lautsprachliche Interviews mit Untertitelung veröffentlicht – stets mit dem Ziel, politische Bildung klar, visuell und inklusiv aufzubereiten.
Beteiligt war das gesamte Produktionsteam von Gebärdenwelt.tv, bestehend aus vier zentralen Rollen:

  • Redaktion – Recherche, Themenauswahl, Textaufbereitung, Interviewführung
  • Moderator:in (ÖGS) – Moderation, Durchführung von Interviews in ÖGS, inhaltliche Vermittlung
  • Redaktionsassistenz mit Schwerpunkt Social Media – Aufbereitung der Kurzformate, Veröffentlichung und Community-Betreuung
  • Kamera & Schnitt – Bildgestaltung, Ton, Postproduktion und technische Umsetzung aller Videoformate
    Unsere Beiträge wurden überwiegend als ÖGS-Videos umgesetzt:
  • Langformate erschienen auf Gebärdenwelt.tv und YouTube
  • Kurzformate wurden zielgruppenorientiert auf Social Media verbreitet

    Wir haben vier Formatkategorien genutzt:
  1. Lautsprachen-Interviews mit Untertitelung
  2. ÖGS-Interviews
  3. Vor-Ort-Reportagen in ÖGS
  4. Infobeiträge in ÖGS

Damit haben wir eine vielfältige, barrierefreie und nachhaltige Struktur geschaffen, um politische Bildung im digitalen Raum speziell für die Gebärdensprach-Community zugänglich und relevant zu machen.

2. Was ist herausgekommen?

Bis Ende Oktober sind 19 Beiträge entstanden – alle mit dem Anspruch, politische Inhalte barrierefrei, verständlich und in ÖGS aufzubereiten. Ein besonderer Fokus lag auf Themen, die für die Gehörlosen-Community unmittelbar relevant sind: von Behindertenrechten und inklusiver Politik bis hin zu gesellschaftlichen Fragen, die gehörlose Menschen direkt betreffen. Gleichzeitig haben wir auch allgemeine politische Themen aufgegriffen – etwa die Berichterstattung zu den Wien-Wahlen oder verständliche Erklärungen zu politischen Strukturen wie direkter Demokratie, Verfassungsrecht und Entscheidungsprozessen.

Unser Ziel war es, Zugang zu neutralen, objektiven und qualitativ hochwertigen politischen Informationen zu ermöglichen – kostenlos und ohne Barrieren. Denn nur so können gehörlose Personen gleichberechtigt am demokratischen Diskurs teilnehmen und eine fundierte politische Meinung bilden.

Veränderungen wurden auf mehreren Ebenen sichtbar:

• Die Themenplanung und Programmausrichtung von Gebärdenwelt.tv haben sich weiterentwickelt: Politische Bildung wurde zu einem fixen, professionell kuratierten Bestandteil des Angebots.

• Die Plattform hat sich im Laufe des Projekts als verlässliche und glaubwürdige Informationsquelle etabliert.

• Zum ersten Mal wurden politische Inhalte explizit für die Gehörlosen-Community produziert – und damit gehörlose Menschen als politische Akteur:innen direkt angesprochen. Das stärkt politische Teilhabe und schafft ein neues Selbstverständnis innerhalb der Community.

• Durch unsere Berichterstattung wurden gehörlose Personen niederschwellig mit politischen Themen vertraut, wodurch politische Prozesse näher, verständlicher und relevanter wurden.

Zur Wirkung auf Social Media:
Politische Inhalte erzielen traditionell keine hohen Reichweiten – trotzdem sehen wir, dass viele unserer Beiträge oft angesehen, geteilt und weiterempfohlen werden. Spannend ist auch, dass manche Beiträge über Österreich hinaus, besonders in Deutschland, großen Anklang finden.
Das Feedback der Community war ein zentraler Erfolgsfaktor:
In Kommentaren und persönlichen Rückmeldungen wurde deutlich, dass die Community
• viele der Themen wertschätzt und aktiv unterstützt,
• regelmäßig Lob für gehörlose Politiker:innen äußert,
• und sich inhaltlich intensiv mit den Beiträgen auseinandersetzt.

Diese Reaktionen zeigen, dass das Projekt nicht nur informiert, sondern auch Diskussion, Reflexion und politisches Interesse innerhalb der Community fördert – ein entscheidender Schritt hin zu mehr Sichtbarkeit und demokratischer Teilhabe.

3. Was haben wir gelernt?

Im Laufe des Projekts haben wir als Medium enorm viel dazugelernt – sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Ein zentraler Erfolg war die Vertiefung unserer Netzwerke: Wir konnten neue Verbindungen zu NGOs, Politiker:innen und Vereinen aufbauen. Diese Kontakte erleichtern künftig nicht nur den Zugang zu Informationen, sondern stärken uns auch als verlässliche Stimme innerhalb der politischen Berichterstattung.
Gleichzeitig haben wir uns als seriöses Medium für politische und inklusive Inhalte etabliert. Unser Profil hat sich geschärft, und wir haben ein viel besseres Verständnis dafür gewonnen, was die Gehörlosen-Community interessiert, welche Themen Priorität haben und welche Inhalte besonders häufig geteilt werden. Daraus sind bereits zahlreiche neue Ideen für zukünftige Beiträge entstanden.

Was lief gut?
Die Aktualisierung unserer Arbeitsprozesse und die Anpassung des Ausstrahlungsprogramms haben hervorragend funktioniert. Das politisch sehr bewegte Jahr 2025 hat uns zusätzlich unterstützt – die Themen lagen buchstäblich auf der Straße, und viele Entwicklungen konnten wir aktuell und zeitnah einordnen.

Was war herausfordernd?
Die größte Herausforderung lag eindeutig in der Postproduktion. Politische Bildung barrierefrei aufzubereiten ist notwendig – aber in der Umsetzung komplex und ressourcenintensiv. Besonders die Untertitelung stellt ein zentrales Hindernis dar:
• Für lautsprachliche Inhalte existieren mittlerweile effiziente Technologien.
• Für Gebärdensprachen hingegen gibt es noch keine vergleichbaren automatisierten Systeme.
Das bedeutet: Barrierefreiheit erfordert viel manuellen Aufwand, Zeit und Kosten – und die Entwicklung effizienterer Arbeitsprozesse bleibt ein laufender, notwendiger Prozess.

Was nehmen wir für die Zukunft mit?
Wir haben viel erreicht – aber wir sehen auch klar, wie viel weiterhin zu tun ist. Gehörlose Menschen werden von Staat und Medien immer noch zu selten als gleichwertige politische Akteur:innen wahrgenommen. Genau hier entsteht ein großer Auftrag:
• Es braucht verlässliche, zugängliche politische Informationen,
• Inhalte, die kontextualisieren, erklären und Demokratie erlebbar machen,
• und eine kontinuierliche Präsenz politischer Bildung in und für die Gebärdensprach-Community.

Unser Ziel ist es, diese Lücke auch in Zukunft so weit wie möglich zu schließen – mit journalistischer Qualität, politischer Klarheit und echter Barrierefreiheit.