DiB – Demokratiebildung in Basisbildungsangeboten

Das Basisbildungszentrum abc-Salzburg entwickelt 2025 demokratiefördernde Lernmaterialien für Erwachsene mit Basisbildungsbedarf – eine bislang vernachlässigte Zielgruppe. Während es für Jugendliche und Migrant:innen viele Ressourcen gibt, fehlen sie für diese Gruppe weitgehend. Ziel ist die Förderung gesellschaftlicher und politischer Teilhabe durch bedarfsorientierte Materialien, die kritisches Denken, Informationsbewertung und das Bewusstsein für Rechte stärken. Die Inhalte basieren auf einer Bedarfsanalyse mit erfahrenen Trainer:innen und vermitteln zentrale europäische Werte wie Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität. Die Materialien werden auf www.alphabetisierung.at veröffentlicht und langfristig verfügbar gemacht, um die Zivilgesellschaft nachhaltig zu stärken.

Laufzeit:

01.04.2025 bis 31.12.2025

Summe:

€ 24.099,00

Die Basisbildungszentrum abc-Salzburg gGmbH ist eine Non-Profit-Organisation in Salzburg. Seit 1999 bieten sie Kurse in den Bereichen Lesen, Schreiben, Rechnen, Umgang mit digitalen Medien sowie Englisch-Grundlagen. Die Alphabetisierungs-/Basisbildungsangebote richten sich an Jugendliche und Erwachsene mit Deutsch als Erstsprache und an Personen, die sich auf Deutsch gut verständigen können. Die Beratungs- und Lernangebote unterstützen die Teilnehmer:innen, Kenntnisse von Grund auf zu erwerben oder aufzufrischen. Sie unterstützen das Lebenslange Lernen sowie die aktive gesellschaftliche Teilhabe und erhö­hen die Chancen auf Zugänge zum Arbeitsmarkt. Die Einrichtung versteht Basisbildung als Grundrecht und setzt sich dafür ein, dass die Vision „Basisbildung für alle!“ Schritt für Schritt umge­setzt wird. Die Arbeit wird finanziert aus Mitteln des ESF, des BMBWF, des Landes und der Stadt Salzburg.

1. Was haben wir gemacht?

Im Rahmen des Projekts wurde ein Materialienbuch entwickelt, um Trainer:innen in der Basisbildung praxisnahe Werkzeuge für den Unterricht an die Hand zu geben. Es bietet eine Sammlung von Arbeitsblättern und methodischen Hinweisen, die speziell darauf ausgerichtet sind, Demokratiebildung mit der Förderung von Schriftsprachkompetenz zu verbinden. Ziel ist es, Trainer:innen zu ermöglichen, mit einfachen, alltagsnahen Materialien sowohl (schrift)sprachliche als auch gesellschaftliche Kompetenzen zu fördern.
Lernende sollen ihren Gestaltungsspielraum im direkten Umfeld und somit in der Gesellschaft, im demokratischen System, erfahren. Sie erleben sich als handlungsfähige und selbstwirksame Personen.

Das Projekt umfasste eine Bedarfsanalyse im Vorfeld sowie eine Recherche bereits vorhandener Materialien. Hauptteil des Projekts bildete die konkrete Materialentwicklung für die spezielle Zielgruppe von Erwachsenen mit Basisbildungsbedarf. Sämtliche Materialien wurden von einer erfahrenen, langjährig in der Basisbildung tätigen Trainerin erstellt. Die Materialien werden online zur Verfügung gestellt und stehen bspw. auf www.alphabetisierung.at kostenlos zum Download bereit.

Das im Call 2025 entstandene Arbeitsmaterial zur Demokratiebildung kann hier heruntergeladen werden:

2. Was ist herausgekommen?

ie Wirkung des Projekts lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt erst in Ansätzen einschätzen, da die vollständige Nutzung und Verbreitung der Materialien erst nach Projektende ihre ganze Wirkung entfalten wird.
Erste Rückmeldungen von Tainerkolleg:innen zeigen, dass die entwickelten Materialien Lernenden einen niedrigschwelligen Zugang zu demokratischen Themen bieten. Sie erhoffen sich, dass die neuen Materialien ihre pädagogische Praxis stärken und Demokratiebildung leichter in den Kursalltag integrierbar machen. Aufgrund der Thematisierung im Rahmen von Teamsitzungen hat das Projekt bereits zu mehr Aufmerksamkeit für Demokratie-Themen in der Basisbildung geführt.

Die Veröffentlichung auf www.alphabetisierung.at wird langfristig dafür sorgen, dass die Materialien weit verbreitet und von vielen Trainer:innen genutzt werden. Im Rahmen von Projektvorstellungen in Netzwerksitzungen haben bereits andere Einrichtungen Interesse an den Materialien bekundigt. Je mehr demokratische Kompetenzen von Basisbildungsteilnehmer:innen nachhaltig gestärkt werden können, umso selbstbewusster, informierter und aktiver können sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Insgesamt zeigt sich: Die angestoßenen Veränderungen sind sichtbar, ihre volle Wirkung wird sich jedoch erst nach der breiten Nutzung im Regelbetrieb zeigen.

3. Was haben wir gelernt?

Im Projekt konnten wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, die zeigen, dass Demokratiebildung in der Basisbildung gut umsetzbar ist, wenn Inhalte alltagsnah, visuell unterstützt und sprachlich vereinfacht dargestellt werden.
Besonders gut funktionierte die Zusammenarbeit mit den Trainer:innen, deren langjährige Erfahrung und hohe fachliche Kompetenz die Materialentwicklung entscheidend bereichert haben. Austausch im Team und mit Kolleginnen erwies sich als großer Vorteil, da unterschiedliche Perspektiven und Praxiserfahrungen unmittelbar in die Entwicklung einfließen konnten. Erfahrungsgemäß reagieren Lernende sehr positiv auf klare Schritt-für-Schritt-Aufgaben, einfache Sprache sowie Themen, die einen Alltagsbezug aufweisen.

Aus den Erfahrungen der Trainer:innen wissen wir, dass manche Teilnehmer:innen politischen oder gesellschaftlichen Themen zunächst mit Zurückhaltung begegnen, weshalb eine vertrauensvolle und sichere Lernatmosphäre besonders wichtig ist.

Der anfängliche konzeptionelle Entwicklungsprozess erwies sich als zeitintensiver als erwartet, weil thematische Auswahl, wiederholtes Durchdenken, Vereinfachen und Strukturieren der Inhalte notwendig war. Für die Zukunft nehmen wir mit, dass Demokratiebildung konsequent einfache Sprache und gleichzeitig hohe didaktische Qualität braucht. Die Partizipation der Trainer:innen im Entwicklungsprozess bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor, den wir weiter stärken möchten. Ebenso hat sich gezeigt, dass anpassbare Materialien besonders hilfreich sind, weil sie auf die Bedürfnisse der jeweiligen Teilnehmenden angepasst und flexibel eingesetzt werden können.

Idealerweise können digitale Werkzeuge künftig noch gezielter eingesetzt werden.
Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass ein durchaus großer Bedarf an demokratiefördernden Lernmaterialien in der Basisbildung besteht. Das Projekt hat eine bislang wenig beachtete Lücke sichtbar gemacht und gezeigt, welches Potenzial in zielgruppengerechter Demokratiebildung steckt. Diese Erfahrungen motivieren uns, die Themen weiter zu vertiefen und in zukünftigen Projekten weitere Materialien zu entwickeln.