



InterACT ist eine professionelle Theater- und Kulturinitiative, die Theater und szenisches Spiel für eine Kultur des Dialogs und des Zusammenlebens, für Empowerment und Partizipation sowie für persönliche, soziale und politische Veränderungsprozesse nutzbar macht. Wir realisieren in einem multiprofessionellen Team Workshops und Projekte als künstlerische und soziale Interventionen in vielfältige Felder, Institutionen und Räume, mit denen wir zur kreativen Auseinandersetzung mit Konflikten, Problemen und Visionen anregen. Als ästhetische Mittel verwenden wir in erster Linie interaktive Theaterformen wie das „Forumtheater“ und das „Legislative Theater“ nach Augusto Boal. Wir eröffnen sozial benachteiligten Gruppen, denen die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe vorenthalten wird, über Theaterkunst Artikulations- und Partizipationsmöglichkeiten und bringen mit künstlerischen Mitteln unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen in Dialog zueinander.
1. Was haben wir gemacht?
Das politisch-partizipative Theaterprojekt „Geteiltes Leben“ macht prekäre Arbeitsbedingungen von 24-Stunden-Personenbetreuer*innenund deren Auswirkungen sichtbar und verhandelbar. In Summe wurden fünf (bzw. sechs) partizipative Theaterworkshops realisiert, an denen mehr als 50 Personenbetreuer*innen sowie 8 Angehörige teilgenommen haben. Zudem wurden mit drei Betreuer*innen im Anschluss Video-Interviews zu ihren Erfahrungen, Herausforderungen und Anliegen in der Personenbetreuung geführt, von denen Ausschnitte in das Forumtheaterstück „Geteiltes Leben“ Eingang fanden – genauso wie die dokumentierten Themen und Ergebnisse der partizipativen Theaterworkshops. Im Zuge des Projekts wurde eng mit der IG24 sowie mit dem Verein inspire kooperiert.
*Ein Workshop in Temeswar wurde nicht über PEVA gefördert, er war jedoch für den Prozess des Projekts sehr bedeutsam.
Livestream Forumtheater Geteiltes Leben auf Vimeo
Flyer PDF
Programmheft
2. Was ist herausgekommen?
Die Erlebnisse und Erfahrungen von Personenbetreuer*innen fanden Gehör und eine Bühne. Durch die Workshops konnten sich die Betreuer*innen Ausdruck verschaffen über herausfordernde und belastende Situationen in ihrem Beruf. Und sie konnten gemeinsam Alternativen und Lösungen erproben und reflektieren. Insgesamt führte das zu verstärktem Bewusstsein über rechtliche Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Unterstützung. Außerdem führten die Workshops zu Vernetzung und Solidarität. Die Workshops wirkten sich unterstützend für die anschließenden Videointerviews aus. Die Betreuer*innen vertraten sich und ihre Anliegen selbstbewusst und klar.
Die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen zu den Workshops waren durchwegs positiv: Für viele war es überhaupt das erste Mal in ihrem Leben, dass Sie an einem Workshop teilgenommen haben. Nach anfänglicher Skepsis zur Methode erleben die Betreuer*innen die partizipativen und interaktiven Formate als anregend, verbindend, gemeinschaftsbildend, energievoll und inspirierend.
3. Was haben wir gelernt?
Die größte Herausforderung bestand im Entwickeln von Angeboten und Formaten, welche den Betreuer*innen aufgrund ihrer Arbeitssituationen eine aktive Teilnahme am Projekt ermöglichten. Im Zusammenspiel mit NGO’s und Personen aus der Community ist das gut gelungen, nur ein für Ende August geplanter Workshop in Payerbach musste trotz aller Bemühungen abgesagt werden. Es hat sich gezeigt, dass es viel Aufmerksamkeit und Engagement, Vertrauen und Dialogbereitschaft sowie in der Community verankerte Brückenbauer*innen und entsprechende Ressourcen (für Reisen, Unterbringung, Aufwandsentschädigungen) benötigt, um vulnerable, benachteiligte Gruppen und Communities Räume der Mitwirkung und Beteiligung zu eröffnen.

