

Der Verein U-N-D entwickelt innovative, partizipative und inklusive Projekte, die der Gesellschaft dienen und nachhaltige gesellschaftliche Veränderungen bewirken. Unsere Arbeitsbereiche orientieren sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Gemeinsam setzen wir uns für eine positive Transformation unserer Gemeinschaft ein.
1. Was haben wir gemacht?
Seit April haben wir mit dem Projekt „Lernen und Mehr“ begonnen – einer Lernplattform, die speziell für Menschen mit Migrationsgeschichte entwickelt wurde, um den Einstieg in das Leben in Österreich zu erleichtern. Schon in der ersten Testphase war Demokratie der Leitgedanke: Die Zielgruppe sollte nicht nur Nutzerin sein, sondern Mitgestalterin. Auf Wunsch vieler Teilnehmender wurde deshalb entschieden, das Angebot als mobile App weiterzuentwickeln, damit es immer und überall verfügbar ist – auch offline und damit für alle zugänglich. In den mehrsprachigen Workshops wurden in gemeinsamen Brainstorming-Runden zuerst Wünsche, Ideen und Bedürfnisse gesammelt und anschließend direkt in praktischen App-Tests überprüft und diskutiert. Damit war die Reihenfolge demokratisch klar: erst die Stimme der Zielgruppe, dann die Technik. Die Workshops wurden muttersprachlich begleitet, Feedbackbögen ermöglichten eine systematische Auswertung, und parallel fanden Train-the-Trainer-Einheiten in mehreren Sprachen statt. Der gesamte Prozess wurde wissenschaftlich begleitet, um die Ergebnisse nachvollziehbar aufzubereiten.
An Entwicklung und Umsetzung arbeiten Teammitglieder des Vereins gemeinsam mit Freiwilligen und Honorarkräften. Beteiligte Personen sind u. a. Rukija, Paul (Programmierung), Laura (Design), Olivia (Inhalte) sowie weitere Unterstützer:innen für Inhalt, Organisation und Begleitung der Workshops. Für uns ist der partizipative Prozess das zentrale demokratische Instrument in diesem Projekt: Die Zielgruppe entscheidet aktiv mit, was gebraucht wird, wie es aussehen soll und was wirklich funktioniert. So entsteht eine App, die nicht „für“, sondern mit Menschen entwickelt wird – und damit Teilhabe, Selbstbestimmung und faire Zugänge in der digitalen Welt stärkt.
2. Was ist herausgekommen?
Aus dem Projekt hat sich eine zugängliche, mehrsprachige Lern-App entwickelt, die auf die Bedürfnisse der Zielgruppen abgestimmt ist. Die App ermöglicht das Lernen zu wichtigen Themen des Alltags in Österreich – einfach, verständlich und jederzeit verfügbar. Die Teilnehmer:innen reagierten sehr positiv: Viele äußerten Freude darüber, dass ein solches Angebot existiert, und lobten besonders die Möglichkeit, in ihrer Muttersprache zu lernen. Sie fühlten sich durch die Beteiligung am Entwicklungsprozess ernst genommen und motiviert, ihre Ideen einzubringen. Die regelmäßigen Workshops und Testphasen führten zu einem stetigen Vertrauensaufbau zwischen dem Team und den Nutzer:innen. Zudem entstanden neue Kontakte und Netzwerke zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprachen, was den interkulturellen Austausch gestärkt hat. Die Rückmeldungen flossen direkt in die technische und inhaltliche Weiterentwicklung der App ein. Dadurch konnte das Angebot Schritt für Schritt verbessert und auf reale Bedürfnisse abgestimmt werden.
3. Was haben wir gelernt?
Wir haben gelernt, dass Partizipation – also die aktive Einbindung der Zielgruppen – entscheidend für den Projekterfolg ist. Menschen sind deutlich motivierter, wenn sie sehen, dass ihre Ideen gehört und umgesetzt werden. Mit jeder weiteren Beteiligung ist das Vertrauen gewachsen, und damit auch die Bereitschaft, persönliche Erfahrungen zu teilen.
Ein zentraler Schlüssel war die mehrsprachige Arbeit. Nur so konnten wir Barrieren abbauen und echte Teilhabe ermöglichen. Besonders wirkungsvoll waren offene Formate wie Brainstormings, App-Tests und Feedbackrunden, weil sie niedrigschwellig sind und direktes, ehrliches Feedback ermöglichen.
Herausfordernd war es, die sehr unterschiedlichen technischen Vorkenntnisse zu berücksichtigen. Gleichzeitig hat genau diese Vielfalt viele kreative Lösungen hervorgebracht. Im Prozess wurde außerdem klar, wie zeitintensiv und anspruchsvoll partizipative Digitalisierungsarbeit ist. Wir haben auch stärker als erwartet gesehen, wie gering digitale Kompetenzen vor allem bei migrantischen, schlechter ausgebildeten Frauen teilweise sind – und dass viele geflüchtete Menschen selbst in der Erstsprache nur eingeschränkt lesen und schreiben können. Das Ausmaß dieser Hürden war uns vor Projektstart nicht vollständig bekannt.
Diese Erfahrungen bestärken uns, diesen Weg weiterzugehen. Partizipation braucht Zeit und Dialog, ist aber die Grundlage für demokratische Teilhabe, digitale Selbstbestimmung und echte Zugänglichkeit.
Für die Zukunft nehmen wir mit, dass wir noch stärker auf digitale Selbstbestimmung und barrierearme Zugänge setzen wollen. Die nächsten Schritte sind:
• die App öffentlich für alle Nutzer:innen anzubieten,
• digitale Beratungen und Begleitung durch DigitalLotsinnen zu ermöglichen,
• weiterhin eng mit der Zielgruppe zusammenzuarbeiten und gleichzeitig Stakeholder und relevante Akteur:innen aktiv auf unser Angebot aufmerksam zu machen.
Statements von UND zu ProEuropeanValuesAT
Was hat sich durch ProEuropeanValuesAT für dich oder deine Aktivität nachhaltig verändert?
Durch ProEuropeanValuesAT habe ich erlebt, wie wichtig echte Partizipation ist. In den Workshops habe ich gesehen, wie sehr Menschen aufblühen, wenn ihre Meinungen ernst genommen werden und sie aktiv mitgestalten dürfen (sie haben das erste Mal gesehen, wie in der App in ihrer Erstsprache gesprochen wird und haben sich sehr gefreut. Für mich persönlich war es prägend, Verantwortung für die technische Umsetzung der App zu übernehmen und zu sehen, wie aus Feedback reale Verbesserungen entstehen.) Nachhaltig verändert hat sich vor allem das Vertrauen. Sowohl das Vertrauen der Teilnehmenden in unsere Arbeit als auch mein eigenes Vertrauen in gemeinschaftliche, demokratische Prozesse. Wir haben aber auch einen bleibenden, positiven Eindruck auf Social Media hinterlassen zu unseren Beiträgen zu Demokratie und Menschenrechte. Ich persönlich habe gelernt, dass Demokratie viel mehr ist als „nur“ ihre Definition, vor allem, weil ich viele Aktivitäten kennenlernen durfte und gemerkt habe, dass Kommunikation und sich in andere hineinversetzen gerade jetzt wichtiger denn je ist, um etwas nachhaltig erlebbar zu machen.
Was würdest du Menschen sagen, die überlegen einzureichen, sich aber noch unsicher sind?
Ich würde ihnen sagen: Traut euch. Dieser Call gibt nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Rückenwind für Ideen, die sonst oft unsichtbar bleiben. Man bekommt Raum, um zu lernen, zu wachsen und gemeinsam mit anderen etwas Sinnvolles aufzubauen, auch wenn nicht alles von Anfang an perfekt ist. Außerdem lernt man neue Menschen kennen, die einem wieder zeigen, dass man nicht alleine für Gerechtigkeit, Teilhabe und Demokratie/Menschlichkeit kämpft. Man kann sich vernetzten, viel Neues lernen, andere Perspektiven sehen und andere Herangehensweisen und sammelt dadurch nicht nur ein großes Netzwerk, sondern Erfahrungen und Ideen für weitere Projekte.
Vollende den Satz:
Demokratie braucht Aktivitäten wie meine, weil …
…sie Menschen eine Stimme geben, die oft nicht gehört werden,
…sie Vertrauen schaffen und echte Teilhabe ermöglichen,
…Demokratie dort beginnt, wo Menschen merken, dass ihre Erfahrungen zählen und Veränderung möglich ist
…sie Menschen zusammenbringt und aktiv mitgestalten lässt.



